SCHWARZARBEIT & ARMUT IN UNGARN NEHMEN ZU - AUSLAND GEWINNT AN ATTRAKTIVITÄT

Gesetzliche Änderungen im Bereich der Arbeitsmarktpolitik haben massive Auswirkungen auf die soziale Situation der Ungarn. Eine große Mehrheit an DienstnehmerInnen wird zunehmend in Schwarz- und Grauarbeit, sowie in prekäre Dienstverhältnisse und Armut gedrängt. Das sind die erschreckenden Auswirkungen der jüngsten Gesetzesänderungen, die im Rahmen der aktuellen Arbeitsmarktanalyse (Download hier) im Rahmen des Projektes NetLab aufgezeigt werden.


Weniger Arbeitslosengeld


Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes wurde auf 3 Monate gekürzt und beträgt maximal die Höhe des Mindestlohnes (derzeit abhängig von der Qualifikation zwischen € 310,- und € 360,- btto.). Danach kann "Sozialhilfe" beantragt werden, für die auch das Familieneinkommen geprüft wird, und mit einer Verpflichtung zu gemeinnütziger Arbeit verbunden ist. Viele lassen sich daher aus den Arbeitslosenregistern streichen. Eine weitere Neuerung: auch AkademikerInnen sind dazu verpflichtet, jedes Stellenangebot anzunehmen, unabhängig vom Qualifikationsniveau. Auch hiervon ist die Folge, dass sich viele nicht mehr arbeitslos melden. Der Ausstieg aus dem Arbeitslosensystem  führt dazu, dass Betroffene auf Unterstützungsleistungen der Familien oder Schwarzarbeit angewiesen sind, ihnen Pensionsversicherungszeiten fehlen (ebenso wie Personen mit Arbeitslosengeldbezug), und den Arbeitsmarktverwaltungen keine exakten Daten zur Arbeitslosensituation mehr zur Verfügung stehen.

Reallohn-Einbußen

Der Mindestlohn wurde erhöht. Dies bringt jedoch aufgrund weiterer Änderungen steuerliche Nachteile mit sich, sodass es defacto keine Lohnsteigerung für die 1,5 Millionen MindestlohnbezieherInnen in Ungarn gibt. Im Gegenteil: rund 50% aller GehaltsbezieherInnen haben dadurch keine Reallohnsteigerung erfahren und verdienen somit weniger als 2010. Viel Firmen reagieren auf die gesetzlich vorgeschriebene Lohnerhöhung mit Personalabbau oder der Umstellung auf Teilzeitstellen, um sie zu kompensieren (dies lässt auch den Schluss zu, dass ein Teil des Lohnen schwarz ausbezahlt wird).

Schwarzarbeit bevorzugt

Die gemeinnützige Beschäftigung wurde reformiert und als "Gemeinnützige Arbeit" neu organisiert. 260.000 Personen nahmen daran 2011 in ganz Ungarn teil. Um Sozialhilfe beziehen zu dürfen, müssen pro Jahr mindestens 30 Tage gemeinnützige Arbeit geleistet werden. Die Entlohnung dafür beläuft sich auf zwischen € 239,- und € 306,- btto (der Lohn wird entsprechend der geleisteten Stunden festgelegt) - in der Zeit, wo nicht gearbeitet wird, besteht Anspruch auf Sozialhilfe. Im Komitat Vas haben sich innerhalb der ersten 3 Monate aus den Arbeitslosenregistern streichen lassen und 20% der SozialhilfebezieherInnen haben ihren Status aufgegeben, um diesen Maßnahmen zu entgehen. Mißbrauch der Arbeitsleistung, das Abrutschen in das Erbringen von Hilfsdiensten, sowie der Umstieg auf Schwarzarbeit sind häufig befürchtete Nebenerscheinungen dieses Systems.

Wenn möglich: ab ins Ausland

Die Arbeitsaufnahme im Ausland ist für viele ein letzter Ausweg. Jugendliche und Wohlhabendere sehen darin ihre Zukunft (und denken auch an Umzug), Ältere denken dabei eher an Saisonjobs in Österreich und Westungarn um dann wieder nach Ungarn zurückzukommen. Auch die attraktiven Sozialleistungen des Auslandes locken. Allgemein wird erwartet, dass aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Ungarn die Schwarzarbeit zunehmen wird.

Auswirkungen auf Österreich

Zahlen belegen, dass der Drang ins Nachbarland für Ungarn, wie allgemein aus den EU-Beitrittsstaaten von 2004 groß ist. Im Februar 2012 stieg (trotz Saisonarbeitslosigkeit) im Vergleich zum Vorjahr die Beschäftigung aus den EU-Beitrittsstaaten in NÖ um +43%, im Burgenland +30% (Dezember 2011 +44% bzw. +35%).
Ende Februar 2012 waren in Österreich um 6,1% mehr Personen arbeitslos gemeldet, als im Vorjahr. Im Vergleich dazu ist die Arbeitslosigkeit ungarischer StaatsbürgerInnen in NÖ um +34% gestiegen, im Burgenland allerdings um 4,1% zurückgegangen. Die vermuteten Gründe für den Rückgang: höherer Anteil an GrenzpendlerInnen, genauere Überprüfung des "echten" Wohnsitzes im Burgenland (Anspruchsvoraussetzung für Bezug des Arbeitslosengeldes).
Es wird die Gefahr von Verdrängungen am österreichischen Arbeitsmarkt gesehen - weniger von österreichischen StaatsbürgerInnen, als von ausländischen - auch ungarischen - Arbeitskräften. V.a. im Baubereich wird von Verdrängung der bisherigen Stammbelegschaft berichtet, ebenso im Bereich der geringqualifizierten Arbeitskräfte. Die kollektivvertragliche Entlohnung wird

Home 
Deutsch Magyar